Predigt: Bezirksgottesdienst 29.11.2020

Gottesdienstablauf am 29.11.2020

in der Johanneskirche

Musik zum Eingang

*Votum, Eingangswort (Silvia)

Im Namen Gottes des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes feiern wir diesen Gottesdienst. Amen.

Der Wochenspruch für kommende Woche steht in Sacharja 9,9: „Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer.“

 

Begrüßung (Mareike)

Ich begrüße Sie und Euch alle ganz herzlich zu unserem heutigen Gottesdienst. Heute feiern wir den 1. Advent – vielleicht haben manche von euch heute deshalb schon die erste Kerze am Adventskranz angezündet. Ab jetzt beginnt sozusagen der Countdown bis Weihnachten. Vier Wochen, um sich auf die Ankunft Jesu an Weihnachten vorzubereiten. Vier Wochen, die oft durch viele Lichter in den Fenstern und Häusern angezeigt werden.

Um Licht geht es auch in unserem ersten Lied. Wir singen „Tragt in die Welt nun ein Licht“ – dazu setzen wir die Masken auf.

Gemeindelied: Tragt in die Welt nun ein Licht, GB 162, Musikteam

*Eingangsgebet (Tina)

 

HÖREN

Schriftlesung:   Sacharja 9,9-10 (Tina)

Anspiel/Kurzgeschichte Der kleine Lichtschalter (von Thomas Weinmann)

Die Förderbänder liefen auf Hochtouren, denn bald war Weihnachten und alle Aufträge mussten fertiggestellt werden. Flinke Roboterhände setzten in den Keramikkörper allerlei Einzelteile aus Kupfer und Eisen ein, ein Knopf wurde angebracht, kleine Schrauben eingedreht, die später die elektrischen Drähte festhalten würden. Im Nu wurde die weiße Verschalung aus Kunststoff darüber gestülpt und festgeschraubt.

Das war die Geburt des kleinen elektrischen Schalters, die Hauptperson unserer kleinen Weihnachtsgeschichte.

Der Schalter hatte noch gerade die Gelegenheit einen Eindruck von der riesigen Fabrikhalle zu bekommen, von dem Lärm und der Hektik um ihn her. Dann wurde es dunkel, denn unversehens landete er in einer Verpackung aus Karton - zusammen mit vielen anderen seiner Art.

Am nächsten Morgen packte jemand die Schachtel und warf sie in einen Lieferwagen. Nach der holprigen Fahrt - plötzlich gleissendes Licht, der Deckel wurde geöffnet, ein paar der Schalter wurden auf einen Tisch gelegt, auch unser kleiner Schalter war mit dabei.

Er sah sich um und erkannte Gestelle mit Kabeln und Drähten, Schaltern und Steckern, Lampen und mehr. Ein Elektrogeschäft eben. Und auf dem Tisch lagen andere Schalter, die einen gebrauchten Eindruck hinterliessen, der eine war sogar ganz angesengt und murmelte immer wieder: „Überlast! Das hält doch kein Schalter aus!“

Ein Monteur kam, packte die Werkzeuge, Drähte und eben auch ein paar von den Schaltern zusammen, der kleine Schalter war mit dabei. Er machte sich auf ein großes Abenteuer gefasst und freute sich sehr.

Sein Schicksal führte ihn in einen Neubau, ein Einkaufszentrum, das in wenigen Tagen eröffnet werden sollte. Noch waren die Schaufenster dunkel - und der kleine Schalter wurde in eine Wand geschraubt. Auf beiden Seiten waren Kupferdrähte befestigt, und er erkannte, dass die einen Drähte zu einem Weihnachtsbaum führten, der in der Mitte des großen Schaufensters stand. Das war also seine Aufgabe: Den Weihnachtsbaum zu erleuchten! Und wie er sich freute auf diese Aufgabe!

Es wurde Abend, der Monteur packte seine Sachen zusammen und fuhr weg. Der kleine Schalter sah aus dem Fenster auf die Straße, sah die anderen Schaufenster gegenüber, die vielen Weihnachtsbeleuchtungen, die in allen Farben funkelten. Es war an der Zeit, den tollen Weihnachtsbaum zum Leuchten zu bringen. Er wusste ja mittlerweile vom Strom und begann, sich anzustrengen, Strom zu erzeugen. Aber nichts geschah. Noch einmal nahm er alle Kraft zusammen, spannte sich an, stemmte sich gegen das Gehäuse, gegen die Wand - hielt den Atem an…

Jedoch, alle Anstrengungen halfen nichts. Nicht das kleinste Lichtlein am Baum erhellte sich, das Fenster blieb stockdunkel. Da packte den Kleinen eine große Verzweiflung! Das konnte doch nicht sein! Immer und immer wieder versuchte er, mit aller Gewalt Strom in die Leitungen zum Baum zu pusten - doch alles war vergebens.

Tiefe Traurigkeit befiel ihn - und in seinen düsteren Gedanken schlief er ein.

Am nächsten Tag war der Monteur wieder da. Am liebsten hätte der Schalter geschrien: „Schrauben Sie mich heraus! Ich kann es nicht! Ich bin unnütz!“

Aber der Monteur hantierte in Sichtweite an einem Sicherungskasten. Er schraubte Drähte, die zu dem kleinen Schalter führten, an eine Sicherung und legte einen Kipphebel um.

Da verspürte unser kleiner Schalter eine nie geahnte Kraft in sich, die sogleich weiterfloss, als der Monteur auf seinen Knopf drückte. Unglaubliches geschah - ohne die geringste Anstrengung wurde der Baum hell, Hunderte von Lämpchen erstrahlten, die mit ihrem warmen Licht das Schaufenster fluteten. Unweigerlich blieben Kinder mit ihren Eltern vor dem Fenster stehen und staunten mit großen Augen über die Pracht der Lichter und der ausgestellten Geschenke.

Die Freude, die der kleine Schalter empfand, lässt sich hier in Worten nicht beschreiben.

Zwischenspiel – Musikteam

Impuls (Lukas 8,40-48)

„… Die Freude, die der kleine Schalter empfand, lässt sich hier nicht in Worten beschreiben.“

 

Liebe Gemeinde,

mit diesen Worten hat unsere Geschichte gerade geendet.

Ich kann mir das gut vorstellen, wie glücklich dieser kleine Schalter gewesen ist, als er gesehen hat, wie er den Baum zum Leuchten gebracht hat. Dank des Elektrikers konnte er so seine Aufgabe erfüllen.

Mich erinnert diese Geschichte daran, wie es ist, wenn ich selber für Advent und Weihnachten dekoriere. Es ist jedes Mal spannend, ob – wenn ich den Stecker in die Steckdose stecke – wirklich alle Lampen leuchten. Und wenn dann alle Weihnachtslichter leuchten, macht mich das total glücklich.

Genau wie den Lichtschalter. Der Lichtschalter denkt zunächst, dass es an ihm liegt. Dass deshalb nichts leuchtet und funktioniert. Doch als der Elektriker kommt, spürt er wie plötzlich die Kraft durch ihn durchströmt und dann geht auf einmal alles ganz einfach. Der Lichtschalter wurde sozusagen geheilt. In der Bibel gibt es eine Geschichte, wo von einer Frau erzählt wird, die auch von einer Kraft durchströmt wird und dadurch geheilt wird. Ich lese uns diese Geschichte aus Lukas 8 vor. Ich lese nach der Basisbibel:

 

40Jesus kehrte auf die andere Seite des Sees zurück. Dort empfing ihn die Volksmenge. Alle hatten auf ihn gewartet. 41Und sieh doch: Da kam ein Mann namens Jaïrus zu ihm. Er war der Leiter der Synagoge. Er warf sich vor Jesus nieder und flehte ihn an: »Komm in mein Haus! 42Denn meine Tochter, mein einziges Kind – sie ist gerade zwölf Jahre alt – liegt im Sterben!« Unterwegs wurde Jesus von der Volksmenge fast erdrückt. 43Unter den Leuten war auch eine Frau, die seit zwölf Jahren an Blutungen litt. Sie hatte ihr ganzes Vermögen für die Ärzte ausgegeben, aber keiner hatte sie heilen können. 44Sie drängte sich von hinten an Jesus heran und berührte eine Quaste seines Mantels. Im selben Augenblick hörte ihre Blutung auf. 45Jesus fragte: »Wer berührt mich?« Keiner wollte es gewesen sein. Und Petrus sagte: »Meister, all die Leute umringen und bedrängen dich.« 46Aber Jesus erwiderte: »Jemand hat mich berührt – denn ich habe gemerkt, dass Kraft von mir ausgegangen ist.« 47Da wusste die Frau, dass sie es nicht verheimlichen konnte. Zitternd trat sie vor und warf sich vor Jesus nieder. Vor dem ganzen Volk erklärte sie, warum sie ihn berührt hatte und wie sie im selben Augenblick geheilt worden war. 48Da sagte Jesus zu ihr: »Tochter, dein Glaube hat dich gerettet. Geh in Frieden.«

 

Die Frau wird von der Kraft Jesus geheilt. Ähnlich wie der kleine Lichtschalter spürt sie, wie sie diese Kraft verändert. Unmögliches wird auf einmal möglich: sie wird geheilt. Die Blutungen hören auf.

 

Bei dieser Heilungsgeschichte denke ich automatisch „an die Kranken in meinem Umkreis. An Frauen, die mit typischen Frauenkrankheiten kämpfen. An chronisch und akut Kranke, Unfallopfer und Menschen mit seelischen Problemen. Männer und Frauen, junge und ältere. Manche innere oder äußere Wunde kann nicht heilen. Manchen geht es wie der Frau mit ihren Blutungen. Die Frau hat schon viel Geld ausgegeben, doch Hilfe hat sie keine gefunden. Diese Frau hat all ihren Mut zusammengenommen – so stelle ich mir das vor. Und dann hat sie endlich sich und ihr Leid so ernst genommen, dass sie sich in der Menge der Leute nach vorne drängt.“[1]

Vielleicht hat sie auch das Auftreten von Jairus ermutigt, der Jesus zu seiner totkranken Tochter holen möchte, damit er sie heilt. So nach dem Motto: „Wenn Jesus Totkranke heilen kann, wird er mir vielleicht auch helfen können...“

 

Ganz vorsichtig und nur von hinten hat sie den Saum des Gewandes Jesu berührt. Eine zarte Geste mit Wirkung. Wie, auf welche Weise und warum gerade diese Frau geheilt wurde, wissen wir nicht. Ich kann mir die Kraft nicht erklären, die von Jesus ausgegangen ist. Und ich bewundere und bezweifle zugleich den Wunderglauben dieser Frau.[2]

Gleichzeitig bleib ich fragend zurück: Kann sowas wirklich passieren oder haben die Schreiber des Evangeliums da vielleicht doch zu viel Fantasie gehabt? Schließlich gibt es viele, die im Gebet um Heilung bitten und dennoch nicht gesund werden…

 

So sehr ich bei jeder Heilungsgeschichte in der Bibel damit ringe, wie so etwas geschehen kann, so sehr begeistern und faszinieren mich solche Geschichten auch. Ich glaube, dass diese Geschichten aus gutem Grund in der Bibel stehen. Sie sollen uns ermutigen und Hoffnung schenken.

Bei der heutigen Geschichte finde ich es spannend, wie unauffällig die Heilung der namenlosen Frau geschieht. Sie geschieht im Verborgenen. Ohne großes Brimborium.

Keiner in der Volksmenge merkt es – bis Jesus fragt: „Wer hat mich berührt?“

Jesus spürt direkt, dass Kraft von ihm ausströmt.

 

„Zitternd trat die Frau hervor“ – das versteh ich total. Ich hätte da auch total Panik bekommen. Ich hätte mich direkt ertappt gefühlt. Kein schönes Gefühl. Der Frau geht es genauso. Sie zittert und doch stellt sie sich mutig vor die Menge und erklärt, warum sie Jesus berührt hat.

 

Und Jesus?!

 

Er straft sie nicht. Im Gegenteil: Er sagt: „Tochter, dein Glaube hat dich gerettet. Geh in Frieden!“

Jesus bemerkt den kleinen Funken Glauben der Frau. Zunächst war die Frau unsicher, als sie sich zu Jesus durch die Menge vortastet. Sie hat vermutlich eher an ein magisches Wunder geglaubt, dass ihr helfen könnte. Doch nach ihrer Heilung, erkennt sie voll Staunen, das Glaubenswunder.

Jesus sieht das. Er erkennt, dass sie ihm voll und ganz vertraut. Bei der Berührung „geht es im Kern um die Beziehung der Menschen zu Jesus.“[3]

 

Die Frau und Jesus bauen durch die gegenseitige Berührung eine Verbindung zueinander auf. Die Berührung zeigt das Vertrauen. Und dieses Vertrauen führt dazu, dass die Frau gesund wird. Sie bekommt Anteil an Jesu Kraft.

 

Heute kann ich nicht einfach zu Jesus gehen und seinen Mantel berühren. Doch auch heute kann ich von Jesu Kraft in meinem Leben zehren.

Das kann passieren, indem ich zum Beispiel eine biblische Geschichte lese und merke: „Wow, die spricht mich total an. Das könnte ich sein in der Geschichte.“ Und dann geht es mir danach auf einmal total gut und ich bekomme neue Kraft für meinen Alltag.

Oder aber ich raff mich auf und geh nach langer Zeit mal wieder in einen Gottesdienst und merke dann, dass ich danach gestärkt heimgehe, weil mir die Gemeinschaft, die Lieder und Worte gutgetan haben.

Oder ich begegne Jesus in einem meiner Mitmenschen. Er selbst sagt ja: „Was ihr für einen meiner Brüder oder eine meiner Schwestern getan habt – das habt ihr mir getan.“ (BB, Mt 25,40) Auch so bekomme ich Anteil an Jesus. So wird er mir zur Kraftquelle.

 

Genauso wie in der Geschichte des kleinen Lichtschalters, die wir vorhin gehört haben. Der Lichtschalter schafft es aus eigener Kraft nicht den Baum zu erleuchten. Erst als er mit Hilfe des Elektrikers an den Sicherungskasten angeschlossen wird, geht es. Da spürt er plötzlich die Energie. Die Lichter am Baum beginnen zu leuchten.

Genauso ist das in meinem Leben. Aus eigener Kraft kann ich wenig erreichen. Doch ich vertraue darauf, dass ich mit Gottes Hilfe und der Kraft, die von Jesus ausströmt, gestärkt meinen Alltag bewältigen kann. Die namenlose Frau und das totkranke Mädchen aus der Geschichte werden mir hier zum Vorbild: sie hoffen darauf, dass Jesus sie heilt und mit seiner Kraft erfüllt. Ihr Vertrauen wird belohnt.

Das fasziniert mich und ermutigt mich in der heute beginnenden Adventszeit immer wieder bewusst Zeiten einzubauen, um zur Kraftquelle zu gehen, die mir zuspricht: „Dein Glaube hat dich gerettet. Geh in Frieden.“

Amen.

 

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Zeit der Gemeinschaft: Bekanntgaben von Gemeinde und PGK (Mareike/Jörg R)

*Fürbittengebet und Vater unser:

Jörg Reutter:

Großer unendlicher Gott. Immer wieder sind wir am Ende unserer Kräfte. Manchmal sind wir nahe dran aufzugeben. Manches scheint so vergeblich zu sein. Corona belastet unseren Alltag. Wir kranken an vielem. Allerlei macht uns das Leben und das Glauben schwer. Oft sind es lange Wege, die vor uns liegen – Du bist da. Du gehst mit, Gott. Du lässt uns nicht allein. Du gibst uns von deiner Kraft. Darauf vertrauen wir.

Herr, erbarme dich.

Carina Köller:
Wir bitten dich für alle glaubenden und suchenden Menschen, für die Erwachsenen und die Kinder, und bitten dich: lass sie deine Gegenwart spüren und durchströme sie mit deiner Kraft.

Wir danken dir für alle haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in unseren Gemeinden und bitten dich: lass auch sie deine Gegenwart spüren.

Gib uns allen Kraft, indem du dich immer wieder zeigst als der, der da ist und mit uns unterwegs ist. Lass Frucht entstehen aus unserer Arbeit, sodass Menschen dich als Vater im Himmel loben.

Herr erbarme dich.

Mareike Bloedt
Wir danken dir für die Menschen, die in der Verwaltung unserer Stadt arbeiten. Wir danken dir für alle, die Verantwortung übernommen haben auf den verschiedenen Ebenen der Politik. Gib ihnen allen den langen Atem, den sie brauchen. Segne sie mit deiner Weisung. Lass sie zu Entscheidungen finden, die dem Gemeinwohl dienen.

Wir bitten dich für alle Menschen auf der Welt, die leiden oder Krieg und Gewalt ertragen müssen. Lindere ihr Leid und schenke ihnen Lichtblicke und Wege aus dem Leid. Lass sie spüren, dass du, Jesus, gerade auch für sie gekommen bist.

Herr erbarme dich.

Gemeinsam beten wir mit den Worten, die dein Sohn Jesus Christus uns gelehrt hat: Vater unser…

WEITERGEHEN

Gemeindelied: Segne uns o Herr, KB 973, Musikteam

*Segen (Mareike)

Musik zum Ausgang (Musikteam)

Türkollekte

 

[1] Vgl. Hinrichs, Karen in: Mit der Bibel durch das Jahr 2017, 06.02.

[2] Vgl. Hinrichs, Karen in: Mit der Bibel durch das Jahr 2017, 06.02.

[3] Vgl. Witzenbacher, Marc in: Mit der Bibel durch das Jahr 2021, 9. Februar.


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