Gottesdienst digital - 03.01.2021

Alle Texte und verschiedene Liedvideos finden sich in einem Padlet.

Dazu einfach auf folgenden Link klicken:

Link: https://padlet.com/mareikebloedt/safqtofucuhx0leu

Passwort: Barmherzigkeit

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ANKOMMEN – GOTT BRINGT UNS ZUSAMMEN

Musik zum Eingang „Herr in deinem Namen treffen wir uns hier“

https://www.youtube.com/watch?v=LkkiJaNGN4A

 

*Votum und Eingangswort

Im Namen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes feiern wir diesen Gottesdienst. Amen.

In Johannes 1 wird uns zugesprochen: „Und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.“ (Joh 1,14b)

 

Begrüßung

Herzlich willkommen zu unserem digitalen Gottesdienst. Jede und jeder feiert bei sich Zuhause – verbunden sind wir durch die Geistkraft.

 

Lasst uns beten:

*Eingangsgebet

Da wohnt ein Sehnen tief in uns, o Gott, nach dir, dich zu sehn, dir nah zu sein. Es ist ein Sehnen, ist ein Durst nach Glück, nach Liebe, wie nur du sie gibst.

 

Um Frieden, um Freiheit, um Hoffnung bitten wir. In Sorge, im Schmerz – sei da, sei uns nahe, Gott.

Um Einsicht, Beherztheit, um Beistand bitten wir. In Ohnmacht, in Furcht – sei da, sei uns nahe, Gott.

Um Heilung, um Ganzsein, um Zukunft bitten wir. In Krankheit, im Tod – sei da, sei uns nahe, Gott.

Dass du, Gott, das Sehnen, den Durst stillst, bitten wir. Wir hoffen auf dich – sei da, sei uns nahe, Gott.

 

So bitten wir dich nun für deine Zeit mitten in der Gemeinde.

Sei bei jeder und jedem – egal an welchem Ort sie gerade sind.

Öffne unsere Ohren und Herzen, um auf dein Wort zu hören.

Amen.

 

Eingangslied Da wohnt ein Sehnen tief in uns

https://www.youtube.com/watch?v=Y7Kje4R1-aQ

 

HÖREN – GOTT SPRICHT ZU UNS

AT-Lesung Jesaja 61,1-4. 10. 11

1 Der Geist Gottes des HERRN ist auf mir, weil der HERR mich gesalbt hat. Er hat mich gesandt, den Elenden gute Botschaft zu bringen, die zerbrochenen Herzen zu verbinden, zu verkündigen den Gefangenen die Freiheit, den Gebundenen, dass sie frei und ledig sein sollen; zu verkündigen ein gnädiges Jahr des HERRN und einen Tag der Rache unsres Gottes, zu trösten alle Trauernden, 3 zu schaffen den Trauernden zu Zion, dass ihnen Schmuck statt Asche, Freudenöl statt Trauer, schöne Kleider statt eines betrübten Geistes gegeben werden, dass sie genannt werden »Bäume der Gerechtigkeit«, »Pflanzung des HERRN«, ihm zum Preise. 4 Sie werden die alten Trümmer wieder aufbauen und, was vorzeiten zerstört worden ist, wieder aufrichten; sie werden die verwüsteten Städte erneuern, die von Geschlecht zu Geschlecht zerstört gelegen haben.

10 Ich freue mich im HERRN, und meine Seele ist fröhlich in meinem Gott; denn er hat mir die Kleider des Heils angezogen und mich mit dem Mantel der Gerechtigkeit gekleidet, wie einen Bräutigam mit priesterlichem Kopfschmuck geziert und wie eine Braut, die in ihrem Geschmeide prangt. 11 Denn gleichwie Gewächs aus der Erde wächst und Same im Garten aufgeht, so lässt Gott der HERR Gerechtigkeit aufgehen und Ruhm vor allen Völkern.

 

NT-Lesung Matthäus 25,31-40

31 Wenn aber der Menschensohn kommen wird in seiner Herrlichkeit und alle Engel mit ihm, dann wird er sich setzen auf den Thron seiner Herrlichkeit, 32 und alle Völker werden vor ihm versammelt werden. Und er wird sie voneinander scheiden, wie ein Hirt die Schafe von den Böcken scheidet, 33 und wird die Schafe zu seiner Rechten stellen und die Böcke zur Linken. 34 Da wird dann der König sagen zu denen zu seiner Rechten: Kommt her, ihr Gesegneten meines Vaters, ererbt das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt! 35 Denn ich bin hungrig gewesen und ihr habt mir zu essen gegeben. Ich bin durstig gewesen und ihr habt mir zu trinken gegeben. Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich aufgenommen. 36 Ich bin nackt gewesen und ihr habt mich gekleidet. Ich bin krank gewesen und ihr habt mich besucht. Ich bin im Gefängnis gewesen und ihr seid zu mir gekommen. 37 Dann werden ihm die Gerechten antworten und sagen: Herr, wann haben wir dich hungrig gesehen und haben dir zu essen gegeben? Oder durstig und haben dir zu trinken gegeben? 38 Wann haben wir dich als Fremden gesehen und haben dich aufgenommen? Oder nackt und haben dich gekleidet? 39 Wann haben wir dich krank oder im Gefängnis gesehen und sind zu dir gekommen? 40 Und der König wird antworten und zu ihnen sagen: Wahrlich, ich sage euch: Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.

 

Predigtimpuls

„Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist“

(Lukas 6,36)

 

Liebe Gemeinde,

Gespräche im Geschwisterkreis über die Eltern können sehr aufschlussreich sein. Erstaunlich, wie unterschiedlich Vater und Mutter von ihren Kindern wahrgenommen werden. Manches bricht da sogar erst nach dem Tod eines Elternteils auf: das habe ich vergangene Woche erlebt, denn einen Tag vor Weihnachten ist meine Oma verstorben.

 

Bei ihren drei Töchtern sind da ganz unterschiedliche Erinnerungen aufgetaucht. Die drei Schwestern haben ihre Mutter teilweise ganz unterschiedlich wahrgenommen. Wir Enkel und Urenkel hatten doch nochmal ganz andere Erinnerungen… In solchen Momenten können dann eben Sätze fallen wie: „Redest du gerade von unserer Mutter, von unserem Vater? Habe ich da was verpasst oder du was verdrängt?“ Oder: „Ich werde es nie vergessen, wie Papa mich in meiner schwierigen Phase nicht fallen ließ! Wie Mama immer da war oder wie sie nie da war.“…

 

Nicht weniger spannend können Gespräche darüber sein, welche Rolle Gott in unserem Leben spielt. Er wird oft als Vater bezeichnet. Welche Rolle spielt dieser Vater, also Gott-Vater, in meinem Leben?

 

Gerade in Krisenzeiten kommt an die Oberfläche, wer Gott für uns ist: Fühlt er mit oder lässt ihn menschliches Elend unberührt? Hat er das Sagen in unserer Welt oder überlässt er das ihren Mächtigen? Ist er gerecht oder ungerecht, allmächtig oder hilflos, herzlos oder barmherzig?

 

„Gott ist barmherzig“, behauptet Jesus ungeachtet aller Fragen und Vorstellungen seiner Zuhörerinnen und Zuhörer, wenn er sie auffordert: „Seid barmherzig, wie euer Vater barmherzig ist.“[1]

 

Diese Worte sind die Jahreslosung für 2021. Das biblische Wort unter dem 2021 steht. Neben dem Vorbild des Vaters in diesen Worten geht es hier maßgeblich um Barmherzigkeit.

 

Höre ich das Wort Barmherzigkeit, denke ich unter anderem an die biblische Geschichte der sieben Werke der Barmherzigkeit. Die Geschichte haben wir gerade in der neutestamentlichen Lesung gehört. Jesus erklärt seinen Jüngerinnen und Jüngern dabei, was er unter Barmherzigkeit versteht.

 

Verschiedene Künstler haben diese Werke in Bild und Ton umgesetzt. Ich erinnere mich an eine tolle Ausstellung, wo ein Künstler die sieben Werke der Barmherzigkeit ins Heute übertragen hat und mit einem Bleistift aufs Papier gebracht hat. Diese Ausstellung fand vor vielen Jahren passenderweise in der Eben-Ezer-Kirche in Martha-Maria Nürnberg statt. Passenderweise, weil genau dort die Buntglasfenster ebenso die sieben Werke der Barmherzigkeit darstellen. Der Künstler Walter Schimpf hat 1968 diese Farbfenster im Seitenfries gestaltet.[2]

 

Auch wenn Martha-Maria nicht meine Heimatgemeinde war, bin ich doch immer wieder in diesem Gottesdienstraum gewesen. Angefangen als Kindergartenkind, später bei Konzerten, bei der Einführung eines Superintendenten oder bei der kirchlichen Trauung meines Bruders und eben auch bei dieser Kunstausstellung….

 

Die Fenster in der Eben-Ezer-Kirche sind wirklich wunderschön. Heide Lubahn, Krankenschwester im Diakoniewerk Martha-Maria schreibt in ihrer Andacht in „unterwegs“ dazu folgende Worte: „Einmal kam es vor, dass ich die Letzte nach einer Abendveranstaltung war und das Licht löschte. Ich sage Ihnen, nichts war mehr übrig von den schönen Bildern. Ohne das Licht von draußen oder aus dem Inneren war von der Barmherzigkeit nichts mehr zu sehen.

 

Das erinnert mich an Verse aus dem 1. Korintherbrief (13,3). Da heißt es: „Und wenn ich alle meine Habe den Armen gäbe und hätte die Liebe nicht, so wäre es mir nichts nütze.“ So verlieren auch die Werke der Barmherzigkeit ihre Strahlkraft ohne das Licht der Liebe.“[3] soweit Heide Lubahn.

 

Das heißt also, dass Liebe und Barmherzigkeit unmittelbar zusammengehören. Das Wort barmherzig lässt sich nämlich in mehrere Worte aufteilen: b-arm-herz-ig. In dem Wort stecken also die Worte „arm“ und „herz“. Das heißt, „wer sich seinem Nächsten (…) intensiv wahrnehmend und mitfühlend zuwendet, dass er geradezu ‚beim Armen sein Herz‘ hat, der ist b-arm-herz-ig.“[4]

 

Doch um mich meiner Nächsten zuzuwenden, brauche ich die Liebe. Ohne Liebe werde ich mich kaum für Hungernde oder Durstige einsetzen. Kranken helfen. Fremde aufnehmen, Nackte bekleiden oder Gefangene besuchen.

 

Das meint Paulus, wenn er im Korintherbrief schreibt: „Und wenn ich alle meine Habe den Armen gäbe und hätte die Liebe nicht, so wäre es mir nichts nütze.“

 

Ohne Liebe verliert die Barmherzigkeit ihre Strahlkraft. Erst wenn ich Menschen in Liebe begegne, nehme ich wahr, was sie brauchen oder was ihnen fehlt. Ob ich sie unterstützen kann oder ob ‚in Ruhe lassen‘ den Menschen gerade am meisten hilft.

 

Denn Barmherzigkeit heißt eben nicht, einfach wild drauflos zu helfen, sondern bedacht die Liebe Gottes weiterzugeben. Die Barmherzige ist also Verkündigerin der Liebe Gottes. Indem ich mich meinem Mitmenschen zuwende und hilfreiches tue, entsteht eine besondere Beziehung zwischen Helfendem und Geholfenen. Fast eine Art Sakrament. Die Helfende gibt die Liebe Gottes weiter, weil sie nach Jesu Beispiel lebt und handelt. So verkörpert sie praktisch als Person das Evangelium.[5]

 

Doch die Liebe können wir ja nicht einfach produzieren oder machen. Wie werde ich dann aber mit ihr erfüllt?


Ich denke, dass ich sie von Gott empfangen kann – trete ich vor Gott mit meiner ganzen Bedürftigkeit, dann überströmt er mich mit seiner Liebe. Dann kann mir die Liebe Gottes aufgehen. So wie ein Licht in der Nacht oder ein wärmender Kamin.[6]

 

Ich lass mich also zunächst selbst von der Liebe Gottes anstecken, bevor ich die Flamme der Liebe an mein Gegenüber weitergeben kann. Nach einer solch aufbauenden Erfahrungen ist es leichter dem Gegenüber Barmherzigkeit und Liebe zu zeigen. Ich gebe dann weiter, was ich zuvor empfangen habe.

 

Denn ich glaube, „Barmherzigkeit als eigene Kraftanstrengung wird nicht wirklich wärmen. Sie ist wie die Kirchenfenster ohne Licht. Kalt und dunkel.“[7]

 

Vielleicht ist dieser Gedanke frustrierend oder demütigend, nicht von allein barmherzig sein zu können, aber gleichzeitig entlastet es auch. Bin ich mit mir selbst und Gott im Reinen, bei ihm verankert und mit ihm verbunden, bekomme ich Anteil an der Liebe Gottes. So viel, dass ich als Barmherzige, als Verkündigerin der Liebe Gottes, meinen Mitmenschen davon abgebe. Mir fällt das Helfen anderer dann viel leichter. Ich habe mein Herz bei den Armen. Und mit Gottes Liebe wird aus unserem Tun ein Kunstwerk. So wie die Kirchenfenster. Stückwerk zwar, vorerst nie vollkommen, aber hell und warm. Dann kann die Liebe Gottes durch unser Tun hindurch scheinen und wird so zu einer Liebe, die bleibt.[8]

 

Lasst uns 2021 also dazu gebrauchen, unser Licht der Liebe in die Welt zu tragen. Helfen, wo unsere Hilfe gebraucht wird. Hilfen annehmen, wo wir bedürftig sind und barmherzig sein, zu jeder und jedem.

 

Lasst uns kreative und solidarische Wege finden unsere Mitmenschlichkeit zu zeigen – auch mit Beachtung der Abstandsregeln. Gerade in Zeiten, wo die Barmherzigkeit oft zu kurz kommt.

 

Lasst uns Verkündiger und Verkündigerinnen der Liebe Gottes sein!

 

Oder wie es die Jahreslosung für 2021 zusammenfasst: „Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist.“

 

Amen.

 

Lied „Vater der Barmherzigkeit“

https://www.youtube.com/watch?v=E4duFVmfnlo

 

TEILEN – GOTT VERBINDET UNS MITEINANDER

Fürbittengebet + Vater unser (Pastorin)

„Weil Gott in tiefster Nacht erschienen,
kann unsere Nacht nicht traurig sein.“

Du, Gott, hör das Lied unserer Hoffnung
und vertreibe die Traurigkeit.
Erscheine in diesem Jahr an der Seite der Kranken
auf den Intensivstationen,
in den Heimen und Asylen,
bei allen, die bangen und in Angst sind.
Erbarme dich.

Du, Gott, hör das Lied unseres Glaubens
und vertreibe die Traurigkeit.
Erscheine in diesem Jahr an der Seite der Suchenden
in Schulen und Laboren,
in den Gemeinden und Kirchen,
bei allen, die enttäuscht und in Sorge sind.
Erbarme dich.

 

Du, Gott, hör das Lied unserer Liebe
und vertreibe die Traurigkeit.
Erscheine in diesem Jahr an der Seite unserer Kinder.
Geh mit unseren Liebsten mit
und geh auch mit denen mit,
die uns zu tragen geben.
Dein Licht und Segen mache dieses neue Jahr
zu einem glücklichen Jahr
für uns und für alle Welt
durch Jesus Christus.

Gemeinsam beten wir: Vater unser…

 

WEITERGEHEN – GOTT SEGNET UNS

Lied Irischer Segen (HW plus 31)

https://www.youtube.com/watch?v=OczPCPjc9Bk

 

*Sendung und Segen

Der Herr segne dich und behüte dich.

Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.

Der Herr wende sein Angesicht auf dich und schenke dir Frieden.

 

Musik zum Ausgang

https://www.youtube.com/watch?v=kPfutuLpB94

 

Gottesdienst gehalten von

Pastorin Mareike Bloedt

 

 

[1] Vgl. Karnstein Renate auf: http://www.jahreslosung.eu/jahreslosung-2021.php

[2] Vgl. unterwegs 1/2021, S. 6.

[3] Heide Lubahn, in: unterwegs1/2021, S. 5.

[4] Hans-Christof Lubahn, in: unterwegs 1/2021, S. 5.

[5] Vgl. Andacht in: unterwegs 1/2021, S. 5.

[6] Vgl. Andacht in: unterwegs 1/2021, S. 5.

[7] Andacht in: unterwegs 1/2021, S. 5

[8] Vgl. Andacht in: unterwegs 1/2021, S. 5


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