Gottesdienstablauf am 28.11.2021 Gottesdienst zum ersten Advent in der Johanneskirche

Parallel findet um 10 Uhr ein Gottesdienst in Bonlanden statt.

Der Gottesdienst aus Echterdingen wird um 10 Uhr auch bei ZOOM übertragen.

Zur Teilnahme am Computer (Zugangsdaten gelten für alle Sonntage. Bitte gut aufbewahren!)

Bitte auf folgenden Link klicken. Damit alles reibungslos funktioniert bitte Mikrofon ausschalten.

 

Zoom-Meeting beitreten

https://zoom.us/j/95048698090?pwd=eFdWa0Rlb0VkMG5MS3RrYXNINis5UT09

 

Meeting-ID: 950 4869 8090

Kenncode: 402138

 

Zur Teilnahme per Festnetz-Telefon:

Bitte untenstehende Telefonnummer am Sonntag um 10 Uhr anrufen (ab 9:45 Uhr ist die Leitung frei und Sie können anrufen).

Telefon: 0695 050 2596

 

  • Es folgt die Aufforderung die Meeting-ID einzugeben (erst auf Deutsch, dann auf Englisch). Dazu bitte folgende Nummer wählen: 950 4869 8090 und mit der # Taste bestätigen.
  • Danach wird man nochmals aufgefordert die # zu drücken. Fertig!
  • Ab jetzt können alle Teilnehmer des Gottesdienstes Sie hören. Bitte deshalb nach einem kurzen Hallo versuchen möglichst ruhig zu sein, um nicht die anderen Teilnehmer zu stören. Danke!

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ANKOMMEN – GOTT BRINGT UNS ZUSAMMEN

Musik zum Eingang

*Votum und Eingangswort (Lektor:in)

Im Namen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes feiern wir diesen Gottesdienst.

[Wochenspruch: „Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer." | Sach 9,9a]

Begrüßung (Lektor:in)

*Eingangsgebet (Lektor:in)

Anbetungslied KB 953 „Morgenstern“

 

HÖREN – GOTT SPRICHT ZU UNS

Überraschung aus der Schatzkiste (Pastorin)

Lesung AT: Sacharja 9,9-10 (Lektor:in)

Lesung NT: Matthäus 21,1-11 (Lektor:in)

Lied EM 145, 1-3 „Macht hoch die Tür“

 

Predigt zu Jeremia 23,5-8

Liebe Gemeinde,

heute beginnt eine neue Zeit. Ein neues Kirchenjahr liegt vor uns. Normalerweise liegt so einem Anfang ja bekanntlich ein Zauber inne, doch dieses Jahr ist da für mich nicht viel Zauber zu finden: Zu Beginn des Gottesdienstes wurdet ihr zum ersten Mal nach euren 3G-Nachweisen gefragt, weil es neue Coronaregeln gibt. Zusätzlich gibt es mal wieder eine neue Coronamutation, namens Omikron und in Deutschland ist Regierungswechselzeit. Der Ampel-Koalitionsvertrag steht. Fehlt nur noch die Zustimmung der einzelnen Parteimitglieder, damit eine neue Regierung gebildet werden kann. Doch gleich zu Beginn der neuen Regierung steht v.a. Corona im Mittelpunkt. Klimakrise und andere dringende Themen werden untergeordnet… Und immer mehr Menschen schimpfen über „die da oben“, die die Krise nicht wirklich in den Griff kriegen und jeden Winter aufs Neue überrascht sind, dass es Corona noch gibt…

 

Spannende Zeiten sind das. Solche Wechselzeiten. Das ist nicht nur heute 2021 so, sondern das war schon vor ca. 2700 Jahren so: der Prophet Jeremia erzählt so zum Beispiel von einem besonderen Regierungswechsel, von einem neuen König, der kommen wird.

 

Bevor er den neuen König beschreibt, wendet sich Jeremia aber zunächst an die schlechten Hirten. Er schreibt: 1Weh euch, ihr Hirten! Ihr richtet die Schafe zugrunde und treibt sie fort von meiner Weide. (...) 2Darum spricht der Herr, der Gott Israels, zu den Hirten, die das Volk weiden: Ihr habt meine Schafe auseinandergetrieben und weit verstreut. Ihr habt euch nicht um sie gekümmert. Jetzt werde ich mich um euch kümmern! Böses habt ihr getan. – So lautet der Ausspruch des Herrn. 3Ich selbst will nun den Rest meiner Schafe sammeln. Ich werde sie aus allen Ländern zusammenbringen, in die ich sie vertrieben habe. Ich werde sie zurück in ihr Weideland bringen. Dort werden sie fruchtbar sein und sich vermehren. 4Ich werde neue Hirten einsetzen, die sie weiden und beschützen. Meine Schafe werden sich nicht mehr fürchten. Nichts kann sie erschrecken, und keines wird verloren gehen.

 

Jeremia kritisiert hier die schlechten Hirten, die die Schafe auseinandertreiben, statt sie zu hüten. Er wirft ihnen vor: ihr habt euch nicht um die Schafe gekümmert.  Und deshalb folgt jetzt eine logische Konsequenz: weil die Menschen versagen, greift Gott selbst in das Geschehen ein. Er sammelt den Rest der Schafe, als den Teil des Volkes Israel, das Gottes Gericht überlebt. Er setzt einen neuen Hirten ein. Und dieser neue Hirte wird die Schafe weiden und beschützen, denn so heißt es in Jeremia 23 (5-8) nach der Basisbibel:

 

5Seht, es kommt eine Zeit, in der ich für David einen Nachfolger einsetzen werde, einen gerechten Spross. – Ausspruch des Herrn – Er wird als König herrschen und gut regieren. Recht und Gerechtigkeit werden ihn auszeichnen, und er wird sie im Land durchsetzen. 6Zu dieser Zeit wird Juda gerettet werden, und Israel wird in Sicherheit leben. Das wird der Name sein, den man ihm geben wird: »Der Herr ist unsere Gerechtigkeit!«

 

Was sich die Leute wohl gedacht haben, als sie diese Worte Jeremias hören? Haben sie vielleicht gesagt: „Juhu, jetzt wird endlich alles besser.“ Oder waren sie eher skeptisch: „Ach, die da oben. Was bringt schon ein Regierungswechsel. Am Anfang klingt immer alles ganz super, aber dann? In der Realität und wenn sie erstmal an der Macht sind, bleibt doch alles beim Alten…“ Oder sind sie neugierig geworden und haben sich gefragt, wer dieser neue König bitte sein soll…

 

Ich weiß es nicht. Alles ist denkbar. Klar ist auf jeden Fall, dass Jeremia eine ganze genaue Vorstellung von diesem neuen König hat. Der neue Nachfolger wird ein Nachkomme Davids sein. Damit hält Gott sein Versprechen aus 2. Samuel 7 (12-16), wo er verspricht, dass alle Könige über Israel Davids Nachkommen sein werden. Doch gleichzeitig verspricht Gott den Menschen damit auch, dass es ein guter König und Hirte sein wird. So wie David es war.

 

König David hat zwar auch viel Mist gebaut während seiner Regentschaft, aber er gilt trotzdem als ein besonders guter und friedvoller König.

 

Der neue Nachfolger jetzt soll jedenfalls ein gerechter Spross sein. Ein gerechter Spross meint einen jungen Trieb, aus dem eine neue Pflanze wächst.[1]

 

Das heißt: Jetzt wird alles neu! Es weht endlich mal ein frischer Wind durch das Königshaus. Junges Blut räumt auf und rettet die Bevölkerung. Denn Jeremia schreibt diese Worte vermutlich während der Regentschaft von König Zidkija.

 

Jeremia warnt König Zidkija davor, am Widerstand gegen den babylonischen König Nebukadnezzar II. festzuhalten. Doch Zidkija hört nicht auf ihn. So wird Jerusalem von Nebukadnezzar II. erobert und große Teile des Volkes nach Babylon verschleppt.[2] 

 

Zidkija hat zwischen 597-586 v. Chr. gelebt. Sein Name bedeutet übersetzt: Der Herr ist meine Gerechtigkeit. Welch ein Affront, wenn Jeremia jetzt hier in seiner Prophezeiung von einem neuen König spricht, der zu Recht den Namen „Der Herr ist unsere Gerechtigkeit“ tragen wird (anders als der aktuell herrschende Zidkija).

 

Wichtig ist zu bedenken, dass das nicht Jeremias Worte sind, die wir hier lesen. Durch den formelhaften Ausdruck „Ausspruch des Herrn“ wird deutlich, es ist Gott selbst, der hier spricht. Diese Spruchformel ist ein besonderes Stilmittel in den Prophetenbüchern und zeigt: jetzt spricht Gott selbst.

 

Und Gott sagt von dem neuen Spross: „Er wird als König herrschen und gut regieren. Recht und Gerechtigkeit werden ihn auszeichnen, und er wird sie im Land durchsetzen. 6Zu dieser Zeit wird Juda gerettet werden, und Israel wird in Sicherheit leben. Das wird der Name sein, den man ihm geben wird: »Der Herr ist unsere Gerechtigkeit!«

 

 Dieser neue König muss wirklich ein toller Typ sein. Lauter positive Eigenschaften wird er haben, deshalb wird man ihm den Namen geben: Der Herr ist unsere Gerechtigkeit!

 

Lasst uns also mal genauer anschauen, was hier mit „Gerechtigkeit“ gemeint ist. Auf hebräisch heißt Gerechtigkeit zedaqa.

Zedaqa ist dynamisch im Gegenteil zu dem Wort zedek, das sehr ähnlich klingt. Zedek ist das Recht. Es ist eine feststehende Norm, ein Maßstab. Zedeqa aber meint ein Tun. Zedaqa stellt in Unordnung Geratenes und somit Falsches wieder richtig und bewirkt somit Gerechtigkeit.[3] 

 

„Kriterium dafür, was falsch und richtig ist, ist die Frage, ob es der Gemeinschaft dient oder ihr schadet. Maßstab ist nicht ein gesetztes Recht, sondern die soziale Beziehung zu den betroffenen Menschen. Gerechtigkeit erweist sich in dem Tun, das in Treue zur Gemeinschaft geschieht und ihr förderlich ist, kurz: Gerechtigkeit besteht in lebendiger Gemeinschaftstreue.“[4]

 

Und diese Gemeinschaftstreue ist essenziell und grundlegend. Nicht nur für die Beziehungen zwischen den Menschen, sondern genauso in der Beziehung zu Gott, denn „jenseits von Gerechtigkeit und Recht ist keine Beziehung zu Gott möglich.“[5]

 

Der zukünftige Friedensherrscher wird so gerecht und gut herrschen, dass alles neu werden wird. Alle verstreuten werden wieder gesammelt werden und sogar die Spruchformel beim Schwören wird dadurch verändert werden. Denn so heißt es weiter:

 

 7Seht, es kommt eine Zeit, in der man Gott einen anderen Beinamen geben wird. – Ausspruch des Herrn – Dann sagt man beim Schwören nicht mehr: »So gewiss der Herr lebt, der die Israeliten aus Ägypten geführt hat!« 8Stattdessen wird man sagen: »So gewiss der Herr lebt, der die Nachkommenschaft Israels herausgeführt hat! Er hat sie aus dem Land im Norden befreit. Er hat sie aus allen Ländern zurückgebracht, in die er sie vertrieben hatte. Jetzt leben sie auf ihrem eigenen Land.«

 

Bisher war es das große Wunder, dass das Volk Israel von Gott aus Ägypten befreit worden ist. Doch zukünftig wird es ein viel größeres Wunder geben: jetzt wird Gott alle Generationen und alle Nachkommen Israels zusammenführen. Alle aus dem Norden, also aus Babylon und alle, die in andere Länder verstreut wurden. Der neue Friedensherrscher wird alle Generationen heimbringen und sie werden auf ihrem eigenen Land leben.

 

„Der Prophet übermittelt hier eine Verheißung für die Zukunft. Die Sehnsucht nach einem gerechten König soll erfüllt werden. Dann werden die Menschen des Gottesvolkes aus der Zerstreuung wieder zurückkehren in das Land, das Gott ihren Vorfahren gegeben hatte. Diese Zeit wird so großartig sein, dass man der alten Wundertaten Gottes nicht mehr gedenken wird. Die Menschen jüdischen Glaubens warten bis heute auf diesen gerechten König, den Messias, auch wenn viele Juden den anderen Teil der Verheißung bereits erfüllt sehen: in dem Staat Israel. Christen deuten die Verheißung Gottes auf Jesus. Dieser Nachkomme Davids versucht nicht durch Politik und Diplomatie die Welt zu verändern, sondern indem er die Herzen der Menschen für Gott und seinen Willen gewinnt.“[6]

 

Zusammenfassend heißt das also: Gott, der Herr wird alle Verstreuten sammeln. Dafür setzt er einen Friedensherrscher aus dem Hause Davids ein. Alle werden heimkommen und Gottes Gerechtigkeit erleben und erfahren.

Was heißt das für uns, die wir 2700 Jahre nach dieser Prophezeiung leben?

 

Seien wir ehrlich: wir leben nicht in einer Welt des Friedens und der Gerechtigkeit. „Diese Zeit steht noch aus. Aber wir leben als Christen in der Hoffnung auf diese Zeit, die durch die Wiederkunft Christi endgültig kommen wird.“[7]

 

Das Volk zur Zeit Jeremias steckt in einer tiefen Krise. Für sie sind die Worte Jeremias Balsam für die Seele. Gott hat uns nicht vergessen. Er ist weiterhin da. Er geht mit. Er greift ein.

 

Auch wir stecken mitten in einer Krise, deshalb tun mir diese Worte Jeremias unglaublich gut. Denn er sagt ja nichts anderes als: Du muss die Welt nicht retten.

Du kannst das auch nicht.

Doch Gott kann. Er rettet die Welt.

Er ist bzw. schickt den guten Hirten.

 

Mich entlastet und beruhigt das. Gerade in einer Zeit, wo die Welt aus den Fugen fällt. Wo es unklar ist, was eine neue Regierung bringen wird oder wie Corona uns weiter beschäftigen wird. Wo Ungerechtigkeiten größer werden. Benachteiligungen zunehmen. Existenzen zerfallen. Gesellschaften sich spalten…. Ich merke, wie uns diese Unsicherheiten mürbe machen und uns viel Kraft kostet. Doch gerade in diesen Zeiten hoffe ich auf Gottes Versprechen und halte mich an den Worten Jeremias fest: Gott ist unsere Gerechtigkeit. Er setzt einen gerechten Spross ein. Der wird als König herrschen und gut regieren. Recht und Gerechtigkeit werden ihn auszeichnen, und er wird sie im Land durchsetzen.

 

Deshalb ist für mich DIE Botschaft des ersten Advents: Gott hält dich in seiner Hand, auch wenn die Welt Kopf steht.

 

Darauf vertraue ich – gerade dieses Jahr.

Amen.

 

Lied KB 903 „Bahnt einen Weg unsern Gott“

 

TEILEN – GOTT VERBINDET UNS MITEINANDER

Zeugnisse/Anteilnehmen/Bekanntgaben (Prediger:in)

  • Extra Blatt

 

*Gebet und Vaterunser (Prediger:in)

 

WEITERGEHEN – GOTT SEGNET UNS

Lied EM 138,1-2 „Komm, du lang ersehnter Jesus“

Sendung und Segen (Prediger:in)

Musik zum Ausgang + Türkollekte

 

 

 

[1] Vgl. Basisbibel, Kommentar Jeremia 23

[2] Vgl. Jeremia INTRO - BasisBibel (BB) - die-bibel.de

[3] Mette, Norbert auf: Das Wissenschaftlich-Religionspädagogische Lexikon im Internet :: bibelwissenschaft.de

[4] Mette, Norbert auf: Das Wissenschaftlich-Religionspädagogische Lexikon im Internet :: bibelwissenschaft.de

[5] Mette, Norbert auf: Das Wissenschaftlich-Religionspädagogische Lexikon im Internet :: bibelwissenschaft.de

[6] Jürgen Kauffmann in: Mit der Bibel durch das Jahr 2012, Mittwoch 19. September, S. 263.

[7] Jürgen Kauffmann in: Mit der Bibel durch das Jahr 2012, Mittwoch 19. September, S. 263.