Predigt: Gottesdienst 25.09.2020

Gottesdienst mit Gliederaufnahme – 25.09.2020

Predigt zum Thema „Ein Ja finden und dranbleiben“

 

Liebe Gemeinde,

liebe Jessy, liebe Anna, lieber Jakob,

ihr drei lasst euch heute als Glieder der Evangelisch-methodistischen Kirche aufnehmen. Ihr habt euch für die EmK entscheiden -  zum einen weil ihr schon in der EmK aufgewachsen seid oder weil ihr einfach schon vor vielen Jahren in der EmK heimisch geworden seid.

Ab heute, seid ihr praktisch „richtige“ Methodistinnen und Methodisten!

Doch was zeichnet Methodisten eigentlich aus? Was ist das Besondere an den „Methos“?

Wer könnte darauf besser Antwort geben als John Wesley, unser Kirchengründer. Auch er ist einmal gefragt worden, was die Methodisten eigentlich sind bzw. woher der Name „Methodisten“ eigentlich stammt.

Und Wesley antwortet darauf wie folgt:

„Wir Methodisten haben uns diesen Namen nicht selbst ausgedacht. Es war ein Spottname, der uns von anderen angehängt wurde. Zum ersten Mal hat ein Student am Christ Church College drei oder vier junge Männer in Oxford als „Methodisten“ verspottet. Wieso er das tat, weiß ich nicht genau. Vielleicht spielte er auf eine frühere Gruppe von Ärzten an, die behaupteten, dass sie mit ganz bestimmten Methoden aus gesunder Ernährung und Fitness fast alle körperlichen Krankheiten heilen könnten. Es wäre aber auch denkbar, dass er sie so genannt hat, weil diese jungen Männer ganz konsequent studiert und diszipliniert gelebt haben – in seinen Augen also „methodisch“.“ (aus: Was wirklich zählt, S. 4)

Jetzt haben wir von John Wesley gehört, wie er die Methodisten beschreibt bzw. wie sie zu ihrem Namen gekommen sind.

Entscheidend für die Methodisten ist also ein konsequenter Lebensstil. Ein Leben mit Gott und die persönliche Gottesbeziehung. Die man zum Beispiel durch regelmäßiges Lesen in der Bibel und Gebet leben kann.

Heute wissen wir: „Aus der studentischen Bewegung wurde eine Erweckung, die das Leben von sehr vielen Menschen verändert hat. Innerhalb weniger Jahrzehnte ist daraus eine weltweite Kirche entstanden. (…) In Deutschland gehören rund 52.000 Menschen zur EmK“ (aus: Wir stellen uns vor) – heute gewinnt sie drei neue Personen dazu: Nämlich euch drei

Liebe Jessy, liebe Anna, lieber Jakob, ich freue mich, dass ihr beiden ein JA gefunden habt, denn bei der Aufnahme in die Kirchengliedschaft geht es eben darum JA zu sagen. JA sagen zur Gemeinschaft mit dem dreieinigen Gott und zu einem Leben in der Gemeinschaft von Menschen in Kirche und Gemeinde.

Dieses JA gründet sich auf Gottes JA zu uns, denn in Jesaja 43,1 spricht Gott uns zu: „Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!“

Gott sagt also JA zu uns und wir sind eingeladen zu ihm JA zu sagen.

Ihr drei werdet heute JA sagen. Gleich fünf Mal. Andere von uns haben bereits vor vielen Jahren JA gesagt:

Doch was passiert jetzt? War´s das jetzt? Ihr werdet ins Kirchenbuch eingetragen, zahlt brav eure Umlage und damit hat sich die Sache erledigt?

Nein, darum geht es nicht!

Die Gliederaufnahme und das öffentliche Bekenntnis ist nicht der Schlusspunkt, sondern setzt einen Doppelpunkt. Jetzt geht´s so richtig los! Jetzt gehört ihr zur EmK und seit ganz offiziell Teil unserer Gemeinde – als vollwertige Mitglieder.

Wenn mich kirchenfremde Leute fragen, was Methodisten eigentlich sind. Erkläre ich zum einen, was wir so tun, aber eben auch, wie das mit unserer Mitgliedschaft funktioniert. Mit Kirchenzugehörigen, Kirchenangehörigen und Gliedern – einmal hat daraufhin einer spontan zu mir gesagt: „Ach so, dann bekommt man da praktisch ein Upgrade!“

Ich finde das, ein tolles Wort, denn genau darum geht es. Ihr bekommt heute ein Upgrade.

Ihr wart beide bereits Teil unserer Gemeinde und habt euch beide schon bei uns eingebracht – sei es im Gebet oder durch die Mitarbeit bei Gemeindeaktionen, in den Hauskreisen oder als beratendes Mitglied im Gemeindevorstand … -  doch durch die Gliederaufnahme bekommt eure Gemeinde-zugehörigkeit ein Upgrade. Ihr habt jetzt einen anderen Status.

Ihr dürft euch nun uneingeschränkt in die Gemeinde einbringen, mit-wählen und euch selber für Gremien aufstellen lassen. Ihr dürft mit-entscheiden, denn die EmK ist eine Mitmach-Kirche.

Eine Mitmach-Kirche, die sich über jede und jeden freut, der oder die sich mit ihren Gedanken und Ideen einbringt. Denn nur, wenn man in seiner Gemeinde integriert ist und die eigenen Vorschläge und Ideen gehört werden, fühlt man sich ja schließlich auch wohl und bleibt dran.

Und darum geht es, „dranzubleiben“: Dranbleiben an Gott. Am Glauben. An der Gemeinde.

Im Epheserbrief lesen wir dazu: „Gott hat uns in seine Gemeinde berufen. Darum sind wir ein Leib. In uns wirkt ein Geist, und uns erfüllt ein und dieselbe Hoffnung. Wir haben einen Herrn, einen Glauben und eine Taufe. Und wir haben einen Gott. Er ist der Vater, der über uns allen steht, der durch uns alle und in uns allen wirkt.

Jeden Einzelnen von uns aber hat Christus besondere Gaben geschenkt, so wie er sie in seiner Gnade jedem zugedacht hat. (…)

Einige hat er zu Aposteln gemacht, einige reden in Gottes Auftrag prophetisch, und andere gewinnen Menschen für Christus. Wieder andere leiten die Gemeinde oder unterweisen sie im Glauben. Sie alle sollen die Christen für ihren Dienst ausrüsten, damit die Gemeinde Jesu aufgebaut und vollendet wird. Dadurch werden wir im Glauben immer mehr eins werden und den Sohn Gottes immer besser kennen lernen. Wir sollen zu mündigen Christen heranreifen, zu einer Gemeinde, in der Christus mit der ganzen Fülle seiner Gaben wirkt.

Dann sind wir nicht länger wie unmündige Kinder, die sich von jeder beliebigen Lehrmeinung aus der Bahn werden lassen und die leicht auf geschickte Täuschungsmanöver hinterlistiger Menschen hereinfallen. Stattdessen wollen wir die Wahrheit in Liebe leben und zu Christus hinwachsen, dem Haupt der Gemeinde. Er versorgt den Leib und verbindet die Köperteile miteinander. Jedes einzelne leistet seinen Beitrag. So wächst der Leib und wird aufgebaut in Liebe.“ (Epheserbrief 4, 4-7.11-16)

In diesen Worten, die vermutlich ein Schüler des Paulus und nicht Paulus selbst, an die Christen in Ephesus schreibt, wird beschrieben, wie wichtig es ist, dass wir uns mit unseren verschiedenen Gaben in der Gemeinde einbringen. 

Denn „jeder einzelne von uns hat besondere Gaben von Christus geschenkt bekommen. Einige hat er zu Aposteln gemacht, einige reden in Gottes Auftrag prophetisch, und andere gewinnen Menschen für Christus. Wieder andere leiten die Gemeinde oder unterweisen sie im Glauben.“

Diese verschiedenen Begabungen dienen alle einem Ziel: „Sie alle sollen die Christen für ihren Dienst ausrüsten, damit die Gemeinde Jesu aufgebaut und vollendet wird.“

Das heißt in versöhnter Verschiedenheit bauen wir gemeinsam die Gemeinde Jesu auf. Es geht darum, dass wir gemeinsam dranbleiben und uns gegenseitigen befähigen, die Gemeinde Jesu aufzubauen.

Gerade an der heutigen Gliederaufnahme finde ich kann man diese versöhnte Verschiedenheit wunderbar sehen. Wir nehmen heute drei Personen auf. Alle drei sind zwar in einem ähnlichen Alter, aber doch ist jede und jeder von euch ein ganz eigener Mensch. Jede und jeder von euch hat eigene Vorstellungen und Ideen, wie er oder sie sich in die Gemeinde einbringen können. Auch da braucht es dann manchmal eine versöhnte Verschiedenheit.

Ich bin überzeugt, dass ihr drei alle ganz unterschiedliche Ideen in unsere Gemeinde einbringen werdet – und gerade das ist doch einfach super! Das macht uns aus, dass jede und jeder bei uns willkommen ist; egal wie jung oder alt man ist. Egal, was man schon erlebt oder einen geprägt hat.

Denn letztendlich kommt es nicht darauf an, wie unterschiedlich wir sind, sondern dass wir gemeinsam als Gemeinde zu Christus hinwachsen. Denn Christus ist das Haupt der Gemeinde. Er ist der Sinn des Lebens. Das, was wirklich zählt.

Und deshalb gilt es auch, an ihm, an Christus, dranzubleiben. Denn „Jesus ist das Zentrum des christlichen Leibes: Von ihm stammen die Wachstumskräfte. Von ihm wird alles zusammengehalten, auf ihn wächst der Leib zu. Damit ist der Blick auf die künftige Vollendung in Christus offengehalten. Kirche ist damit nicht bloß eine „Körperschaft“, sondern ein lebendiger Leib. Eine Gemeinschaft des Glaubens. Erfüllt von den Wachstumskräften Christi.“ (Gese, Epheserbrief, S. 109)

Doch ich frage mich, wie sieht dieses „dranbleiben“ und dieses „hinwachsen zu Christus“ denn ganz praktisch aus?

Um eine Antwort auf diese Frage zu bekommen, rate ich euch mit den Menschen hier im Gottesdienst ins Gespräch zu kommen. Viele sind ja schon lang dran, „in der Liebe mit Gott zu bleiben“.

Außerdem habt ihr drei euch mit uns allen, das Ganze Wochenende mit dem kleinen Buch „herausfordernd einfach“ beschäftigt und es geschenkt bekommen. In diesem Buch gibt es ganz praktische Tipps, wie wir dranbleiben können 

Denn John Wesley war am Anfang der methodistischen Bewegung von einigen Personen gebeten worden, sie zu unterweisen, mit ihnen Zeit im Gebet zu verbringen und ihnen praktische Tipps zu geben. „Um die Unterweisung von seiner Person zu lösen und um Kleingruppen eine Hilfe in die Hand zu geben, wie sich eine christliche Lebensführung biblisch begründet entwickeln kann, hat John Wesley u.a. die „Allgemeinen Regeln“ formuliert.“ (aus: Herausfordernd einfach, S. 6)

Mittlerweile wissen wir: die drei Regeln lauten: 1. Nichts Böses tun 2. Gutes tun und 3. In der Liebe Gottes bleiben.

Wir haben uns viel über diese Regeln ausgetauscht. Für mich ist die dritte Regel, der „Allgemeinen Regeln“, das „In der Liebe Gottes bleiben“ mit das Wichtigste.

In dieser Regel geht es nämlich darum, wie wir „dranbleiben“ können an der Liebe Gottes. Und wichtig hierfür ist, laut Wesley, der Gebrauch der Gnadenmittel.

„Gnadenmittel“ ist ein ungewöhnliches Wort. Das gibt es nur bei den Methodisten.

John Wesley hat darunter bestimmte geistliche Übungen verstanden, die in der Bibel beschrieben werden. Diese Übungen sollen die Beziehung zwischen Gott und Mensch lebendig halten und wachsen lassen.

Als Gnadenmittel nennt Wesley zum Beispiel den Gottesdienst, das Abendmahl, das Gebet in der Familie und alleine, das Forschen in der Bibel, sowie Fasten und Verzichten.

Wesley zufolge können uns diese geistlichen Übungen helfen, im Einklang mit Gottes Liebe zu leben und an ihm dranzubleiben.

„In der Liebe Gottes zu bleiben ist heute wie damals der zentrale Baustein für ein Leben im Glauben. Nur durch ein Leben in Beziehung und in Liebe zu Gott fließt die Güte und Liebe Gottes in die Welt. Es gibt keinen anderen Weg. Einer, der wirklich liebt, wird durch diese Liebesbeziehung ständig geformt und verändert. Durch ein so verändertes Leben wirken Gottes Güte, Kraft und Gegenwart in unsere Familien, unsere Gemeinden, unsere Welt hinein.

Trotzdem kann es Anfechtungen, Rückschläge und Brüche in unserem Leben und in unserer Beziehung zu Gott geben.“ (aus: Herausfordernd einfach, S. 33)

Ich denke viele von uns haben das schon einmal erlebt. Ich auch. Denn ich habe mich in meinem Leben immer wieder gefragt, ob ich zu meinem JA zu Gott wirklich zu 100% stehe. Ob es Gott gibt und ob ich ihm mein Leben anvertrauen kann. Doch gerade durch diese Zweifel wurde meine Beziehung zu Gott auf eine stärkere und stabilere Basis gestellt. Ich habe mich und Gott immer wieder hinterfragt. So bin ich ihm nähergekommen, drangeblieben und letztlich in der Liebe Gottes geblieben.

Und so wünsche ich uns allen, denen die schon lange zu Gott JA gesagt haben,

denen, die noch zögern, das JA wirklich auszusprechen

und denen, die heute JA gesagt haben,

dass sie mit mir in die folgenden Worte einstimmen können:

„Etwas in mir zeigt mir, dass es dich wirklich gibt. Ich bin gewiss, dass du lebst, mich kennst und mich liebst. Du bringst mich zum Lachen, machst, dass mein Herz singt. Du bringst mich zum Tanzen, meine Seele schwingt. Ich atme auf in deiner Gegenwart. Herr, du allein, gibst mir Freude, die von ihnen kommt, Freude, die mir niemand nimmt. Herr, du machst mein Leben hell mit dem Licht deiner Liebe.“ (Himmelweit Nr. 36) Amen.

 


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