Gottesdienst ZOOM Bezirk Leinfelden-Echterdingen 28.02.2021

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Unser Gottesdienst findet sonntags um 10 Uhr bei ZOOM statt. Man kann per Computer oder Telefon daran teilnehmen.

Zur Teilnahme am Computer (Zugangsdaten gelten für alle Sonntage. Bitte gut aufbewahren!)

Bitte auf folgenden Link klicken. Damit alles reibungslos funktioniert bitte Mikrofon ausschalten.

 

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Meeting-ID: 950 4869 8090

Kenncode: 402138

 

Zur Teilnahme per Festnetz-Telefon:

Bitte untenstehende Telefonnummer am Sonntag um 10 Uhr anrufen (ab 9:45 Uhr ist die Leitung frei und Sie können anrufen).

 

Telefon: 0695 050 2596

 

 

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Vorab Informationen durch die Pastorin + technischen Hinweise

 

ANKOMMEN – GOTT BRINGT UNS ZUSAMMEN

Musik zum Eingang

*Votum und Eingangswort (Lektorin)

Im Namen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes feiern wir diesen Gottesdienst am Sonntag Reminiszere, dem 2. Sonntag in der Passionszeit, der bedeutet „Gedenke, Herr, an deine Barmherzigkeit“.

 

In Römer 5 wird uns zugesprochen: „Gott aber erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren." (Röm 5,8)

 

Begrüßung (Lektorin)

Herzlich Willkommen zu diesem virtuellen Gottesdienst. Schön, dass sich so viele auf dieses neue Format einlassen. Ein ganz besonders herzliches Willkommen an Judith Bader-Reissing, die heute auch zugeschaltet ist  und für uns predigt – ich freue mich sehr, dich zu sehen und zu hören.

Herzlich Willkommen seid auch ihr alle, die ihr diesen Gottesdienst durch Mithören oder Mitlesen mitfeiert.

 

Wir wollen gemeinsam beten im Sinne dieses Sonntages Reminiszere „Gedenke Herr an deine Barmherzigkeit:

* Eingangsgebet (Lektorin)

Liebender Vater,

wer merkt schon, wie es den anderen wirklich geht? Dass da Menschen auf der Straße sitzen und nichts zu essen haben und nicht wissen, wohin...

Wer merkt schon, wie es den anderen wirklich geht? Dass da Menschen keine Arbeit finden und keinen Sinn im Leben und keine Freude....

Wer merkt schon, wie es den anderen wirklich geht? Dass da Menschen versuchen, ihre Probleme und Schmerzen in Alkohol zu ersäufen oder mit Drogen zu betäuben....

Wer merkt schon, wie es den anderen wirklich geht? Dass da Menschen ihre Heimat verlassen, um ohne Furcht leben zu können, um sich eine Existenz aufzubauen.....

Wer merkt schon, wie es den anderen wirklich geht? Dass da Menschen leben in deiner Welt, die sich noch nie satt gegessen haben, die keinen Frieden kennen.....

Wer merkt schon, wie es mir wirklich geht? Dass ich ein Mensch bin, der auch Hilfe braucht, viel Liebe und Worte, die mich aufbauen......

Du merkst schon, wie es mir wirklich geht, treuer Gott.

Du siehst allen Menschen ins Herz und spürst, was in ihrer Seele vorgeht. Du merkst, wie es uns allen wirklich geht.

Dank sei dir dafür – AMEN.

 

Das Lied, das wir nun gemeinsam singen, ist eine Antwort auf das eben gesprochene Gebet.

 

Eingangslied GB 610, 1-4 „All Morgen ist ganz frisch..."

  1. All Morgen ist ganz frisch und neu / des Herren Gnad und große Treu; / sie hat kein End den langen Tag, / drauf jeder sich verlassen mag.
  2. O Gott, du schöner Morgenstern, / gib uns, was wir von dir begehrn: / Zünd deine Lichter in uns an, / lass uns an Gnad kein' Mangel han.
  3. Treib aus, o Licht, all Finsternis, / behüt uns, Herr, vor Ärgernis, / vor Blindheit und vor aller Schand / und reich uns Tag und Nacht dein Hand,
  4. zu wandeln als am lichten Tag, / damit, was immer sich zutrag, / wir stehn im Glauben bis ans End / und bleiben von dir ungetrennt.

 

T: Johannes Zwick um 1541, M: Johann Walter 1541, S: Nach Paul Müller 1952, Q: S: Rechte bei den Urhebern

 

HÖREN – GOTT SPRICHT ZU UNS

Psalm 27 Gemeinschaft mit Gott (Lektorin)

1Der HERR ist mein Licht und mein Heil; vor wem sollte ich mich fürchten? Der HERR ist meines Lebens Kraft; vor wem sollte mir grauen? 2 Wenn die Übeltäter an mich wollen, mich zu verschlingen, meine Widersacher und Feinde, müssen sie selber straucheln und fallen. 3 Wenn sich auch ein Heer wider mich lagert, so fürchtet sich dennoch mein Herz nicht; wenn sich Krieg wider mich erhebt, so verlasse ich mich auf ihn. 4 Eines bitte ich vom HERRN, das hätte ich gerne: dass ich im Hause des HERRN bleiben könne mein Leben lang, zu schauen die schönen Gottesdienste des HERRN und seinen Tempel zu betrachten. 5 Denn er deckt mich in seiner Hütte zur bösen Zeit, / er birgt mich im Schutz seines Zeltes und erhöht mich auf einen Felsen. 6 Und nun erhebt sich mein Haupt über meine Feinde, die um mich sind; so will ich opfern in seinem Zelt mit Jubel, ich will singen und Lob sagen dem HERRN. 7 HERR, höre meine Stimme, wenn ich rufe; sei mir gnädig und antworte mir! 8 Mein Herz hält dir vor dein Wort: / »Ihr sollt mein Antlitz suchen.« Darum suche ich auch, HERR, dein Antlitz. 9 Verbirg dein Antlitz nicht vor mir, verstoße nicht im Zorn deinen Knecht! Denn du bist meine Hilfe; verlass mich nicht und tu die Hand nicht von mir ab, du Gott meines Heils! 10 Denn mein Vater und meine Mutter verlassen mich, aber der HERR nimmt mich auf. 11 HERR, weise mir deinen Weg und leite mich auf ebener Bahn um meiner Feinde willen. 12 Gib mich nicht preis dem Willen meiner Feinde! Denn es stehen falsche Zeugen wider mich auf und tun mir Unrecht. 13 Ich glaube aber doch, dass ich sehen werde die Güte des HERRN im Lande der Lebendigen. 14 Harre des HERRN! Sei getrost und unverzagt und harre des HERRN!

 

Lesung AT: Hiob 30,24-31 (Lektorin)

24 Aber wird man die Hand ausstrecken unter Trümmern und nicht schreien in der Not? 25 Weinte ich nicht über den, der eine schwere Zeit hat, grämte sich meine Seele nicht über den Armen? 26 Ich wartete auf das Gute, und es kam das Böse; ich hoffte auf Licht, und es kam Finsternis. 27 In mir kocht es und hört nicht auf; mich haben überfallen Tage des Elends. 28 Ich gehe schwarz einher, doch nicht von der Sonne; ich stehe auf in der Gemeinde und schreie. 29 Ich bin ein Bruder der Schakale geworden und ein Geselle der Strauße. 30 Meine Haut ist schwarz geworden und löst sich ab von mir, und meine Gebeine verdorren vor Hitze. 31 Mein Harfenspiel ist zur Klage geworden und mein Flötenspiel zum Trauerlied.

 

Predigt „Hiob, der bewundernswerte Verlierer“ (Hiob 30,24-31)

  1. Warum gerade ich

Im April vor fünf Jahren ist meine Mutter gestorben. Ihr Lieblingsvers aus der Bibel war ein Vers aus Psalm 18: Mit meinem Gott kann ich über Mauern springen.

Es war zwar ihr Lieblingsvers, aber gelebt und erfahren hat sie es leider nie wirklich. Wann immer ein Unglück, eine Krankheit oder eine Not in ihr Leben trat, stellte sie immer wieder die Frage: „Wie kann der liebe Gott das zu lassen oder: Wie kann der liebe Gott dabei zu schauen“. Am Ende ihres Lebens, als sie nach einem Schlaganfall gesundheitlich sehr angeschlagen war, fragte sie immer: „Warum ausgerechnet ich?“

Oder: „Ich hätte nie gedacht, dass so etwas mal mir passiert.“

Das hat sich Hiob sicherlich auch gedacht. 

Hiob, dessen Name auch „Wo ist der Vater?“ bedeutet, ist ein sehr reicher und glücklicher Mann. Eines Tages treffen nacheinander Boten bei Hiob ein, um ihn schreckliche Botschaften zu übermitteln. Alle seine Tiere, und er hatte große Herden, alle seine Knechte und Hirten wurden umgebracht. Diebe haben seinen ganzen Besitz gestohlen und bei einem Unwetter ist das Haus zusammengebrochen. Seine Kinder und Schwiegerkinder sind dabei alle ums Leben gekommen. Eine Hiobsbotschaft jagt die nächste.

Von einem Moment auf den anderen stehen seine Frau und er arm und allein da.

Und als ob das noch nicht genug wäre: Zu allem Elend bekommt er noch eine ansteckende Krankheit. Sein gesamter Körper ist mit Geschwüren übersät. Mit einer Scherbe versucht er, dem unerträglichen Juckreiz beizukommen.

Für seine Frau ist damit das Maß voll. Sie kann und will nicht mehr an Gott glauben und rät ihrem Mann, der immer auf Gott vertraut hat, Gott abzusagen und seinen Glauben an den Nagel zu hängen.

Aber damit immer noch nicht genug. Zu der nörgelnden Frau gesellen sich auch noch seine Freunde. Erst trauern sie mit ihm. Sind voller Empathie. Sieben Tage und Nächte sagen nichts, sind einfach nur bei ihm. Als Seelsorgerin würde ich sagen: Gut gemacht!

Doch irgendwann machen die Freunde den Mund auf. Und Hiob spürt: Wer solche Freunde hat, braucht keine Feinde mehr. Denn die Freunde wollen einen Grund für das Leid finden, das Hiob widerfährt und sie vermuten, dass Hiob sich das alles selbst eingebrockt hat. Wahrscheinlich ist er vor Gott schuldig geworden und erhält jetzt die Quittung.

Die Freunde bringen die Frage auf den Punkt: Wie kann ein liebender Gott zulassen, dass Hiob so leiden muss? Dafür kann es nur einen Grund geben: Hiob muss etwas Schlimmes getan haben, sodass Gott so sauer wird, dass er nicht anders kann als ihn zu bestrafen.

Hiob stellt fest: Ich hoffte auf Licht und es kam Finsternis und ich wartete auf Gutes und es kam Böses und gleichzeitig sagt er: Habe ich das Gute von Gott empfangen, kann ich auch das Böse annehmen.

 Irgendwie versucht er, Gott und das Leid zusammen zu bringen.

Er ringt mit Gott auf bewundernswerte Weise.

Dafür bewundere ich Hiob.

Vier Dinge sind es, die ich zutiefst an ihm bewundere:

Ich bewundere

  1. Seinen Gleichmut

Hiob erfährt eigentlich alles Leid der Welt auf einmal. Tod, Armut, Krankheit. Das Leben hat ihm den Krieg angesagt. Und gleichsam stoisch reagiert er darauf. „Was solls?  Der Herr hat mir alles gegeben, der Herr hat es mir wieder genommen. Gelobt sei der Name des Herrn!“

Für ihn ist klar, dass es nicht so funktioniert, dass Gott nur für das Gute zuständig ist und das Unheil von einer bösen Macht geschickt wird, der er dann zwangsläufig ausgeliefert wäre. Das erschließt sich ihm logischerweise nicht. Er scheint zu wissen: Unheil und Leid geschehen. Es gibt Kriminalität in der Welt, es gibt Menschen die andern Menschen Schaden zufügen und sogar töten. Und es gibt Naturkatastrophen. Wenn der Blitz ins Haus einschlägt und die Familie dabei umkommt, ist es eben ein fürchterliches Unglück, das unbeschreibliches Leid mit sich bringt.

Für Hiob ist ganz klar, Leid gehört eben – aus welchen Gründen auch immer – einfach zum Leben dazu. Niemand hat das Anrecht auf ein immerwährendes glückliches, erfolgreiches und gesundes Leben.

Habe ich das Gute von Gott empfangen, kann ich auch das Schlechte annehmen. Oder wie Dietrich Bonhoeffer es formuliert hat:

Und reichst du uns den schweren Kelch den bittern, des Leids gefüllt bis an den höchsten Rand, so nehmen wir in dankbar ohne zittern, aus deiner guten und geliebten Hand.

Ich bewundere Hiobs Gleichmut!

und seine

  1. Seine Beharrlichkeit

Wie leicht wäre es gewesen, wenn Hiob seiner nörgelnden Frau Recht gegeben hätte, sie, die Gott am liebsten den Laufpass geben würde:“ Du hast recht. Ich war immer ein treuer und rechtschaffener Mann und nun tut mir Gott solches Unheil an. Mit einem solchen Gott will ich nichts mehr zu tun haben.“ Nein! Hiob verbietet seiner Frau den Mund, bezeichnet sie als dumm und gottlos und hält daran fest, dass Gott bei ihm ist. Trotz allem was geschehen ist, weiß er, dass er nur bei ihm Hilfe und Halt finden kann. Er lässt sich nicht davon abbringen. Wenn Gott immer bei mir ist, wie sollte er mich dann ausgerechnet im Leid im Stich lassen? Was sollte das für ein Gott sein, der mich ausgerechnet dann sitzen lässt, wenn es mir am dreckigsten geht?“ Die bekannte Frage stellt er ja seiner Frau: „Sollen wir das Gute aus Gottes Hand nehmen, das Schlechte aber ablehnen?“

Auch seine Freund fallen ihn in den Rücken. Es sind ja auch echt seltsame „Freunde“. Nach der gemeinsamen Trauerzeit versuchen sie nicht etwa Hiob in irgendeiner Form zu helfen z.B. „brauchst du Geld“, „sollen wir beim Wiederaufbau des Hauses helfen“,  „wir laden euch mal zu Essen ein“ - nichts dergleichen.

Die vermeintlich besten Freunde suchen stattdessen akribisch nach Hiobs Fehlern und Sünden. Irgendetwas muss es doch geben, dass Gott so erzürnt hat, dass er Hiob nun dermaßen bestraft.Als ob das jetzt Hiob irgendwie weiterhelfen würde.

Für die selbstgerechten Freunde ist die Sache klar:

Jeder ist seines Glückes Schmid!

Wer Böses sät, wird böses ernten.

Aber Hiob geht in die Offensive. Er sagt zu seinen Freunden: „Alles was ich will, ist eine Antwort. Dann werde ich schweigen. Sagt mir, was ich falsch gemacht habe. 6,24

Hiob verkriecht sich also nicht und denkt verzweifelt darüber nach, was er falsch gemacht haben könnte. Er rechtfertigt sich in seinen Reden und stellt klar, dass er sein Bestes gegeben und nichts falsch gemacht hat. Und wenn die Freunde echte Freunde wären, müssten sie das eigentlich wissen. Sie kennen ihn ja schließlich. Aber Hiob lässt sich nicht verunsichern und sagt zu ihnen: „Ich werde euch ganz bestimmt nicht recht geben und die Schuld für all das Unheil bei mir suchen.“

Ich habe gehört, dass Menschen angesichts leidvoller Situationen den Tipp bekommen: „Frag nicht nach dem Warum sondern frag wozu?“

Ich weiß nicht, was an dieser Fragestellung besser sein soll.

Denn genauso wenig, wie ich davon überzeugt bin, dass Gott uns Leid als Strafe schickt, genauso wenig glaube ich, dass Gott uns Leid als Prüfung zumutet. Was sollte das für ein Gott sein, der sagt: „Na mal sehn, wie viel die oder der aushält.“

Das würde ein liebender Gott niemals ausprobieren.

Hiob ist genervt von seinen Freunden.

Deshalb will er auch mit Gott selbst reden und nicht mit Leuten, die meinen, sie wüssten genau, wie Gott tickt.

» 3 Aber ich will mit dem Allmächtigen reden, vor ihm will ich mich verteidigen. 4 Ihr übertüncht ja die Wahrheit mit euren Lügen! Kurpfuscher seid ihr allesamt! 5 Wenn ihr doch nur schweigen würdet, dann könnte man euch noch für weise halten! Eure tiefsinnigen Sprüche sind wertlos wie ein Häufchen Asche! 13 Schweigt jetzt!

 

Hiob lässt sich nicht von Menschen verunsichern und verurteilen. Er bleibt sich selbst treu.

Ich bewundere Hiobs Beharrlichkeit!

und auch

  1. Seine Kühnheit

Und Hiob bleibt Gott treu. Aber die Beziehung verändert sich. Einerseits hält er an ihm fest und fühlt sich andererseits von Gott vergessen . Es geht sogar so weit, dass er in Gott nunmehr seinen Feind sieht. Er sagt:

20  Ich schreie zu dir, aber du antwortest mir nicht; ich stehe da, aber du achtest nicht auf mich. 

21  Du hast dich mir verwandelt in einen Grausamen und streitest gegen mich mit der Stärke deiner Hand.

Gott wird zu einem Feind. Zu einem Feind, mit dem er sich auseinandersetzen will. „ O K Gott, ich nehm alles an, was kommt, aber dann halt du auch meine Klage und meine Verzweiflung aus und hör es dir an“.

Er geht mit Gott ins Gespräch. Er klagt, er rechtfertigt sich, er stellt Fragen. Kurz: er ergibt sich nicht seinem Schicksal, sondern er geht es an.

Hiob, der uns anfangs fast devot erscheint, entwickelt sich im Laufe der Geschichte zum Kämpfer. Er lässt es nicht auf sich sitzen, er sagt zu Gott:

13,20  Aber zuerst habe ich noch zwei Bitten an dich, Gott; erfülle sie mir, damit ich dir überhaupt begegnen kann:

21  Nimm dieses schmerzhafte Leiden von mir und die schreckliche Angst, mit der du mich plagst!

22  Rede du zuerst, dann werde ich antworten, oder lass mich beginnen, und dann antworte du!

Er tritt mit Gott in Verhandlung. Er fügt sich nicht und nimmt klaglos an, sondern er bittet um Heilung und um Sicherheit. Hiob ist so kühn, dass er sogar dem allmächtigen Gott erklärt, wie Kommunikation überhaupt geht, weil der das offenbar nicht zu wissen scheint.

Und er ist sich sicher:

33,35  „Der Allmächtige wird mir antworten. Er wird auch für die Anklageschrift meines Gegners eine Antwort haben.“

Das wünsche ich mir. In Nöten nicht zu verzweifeln, sondern den Schneid zu haben wie Hiob, Gott herauszufordern. Nicht zu verzweifeln, nicht zu resignieren, den Kopf in den Sand zu stecken oder gar in die Opferrolle zu schlüpfen, sondern Gott an sein Versprechen, bei mir zu sein an allen Tagen, zu erinnern. Wie Hiob ihm alles vor die Füße zu werfen, ihn anzuschreien, hilflos sein, klagen und fordern. Und mir gewiss, zu sein, es kommt an.

Meine Hilfeschreie werden nicht im Universum verhallen.

Ich bewundere Hiobs Kühnheit!

und letztendlich

  1. Sein Gottvertrauen

Hiob geht seinen Weg. Er lässt sich durch nichts beirren. Er vertraut Gott, indem er ihn einfach nicht los- und ihn auch nicht einfach so davonkommen lässt. Er vertraut darauf, dass Gott ihn hört, wenn er ruft, und dass er antworten wird. Er ist überzeugt davon, dass Gott mit ihm ist, auch wenn er ihn zwischenzeitlich als Feind empfunden hat und nur noch Finsternis und gar kein Licht mehr sieht.

Jahrhunderte später wird es wieder einen Mann geben dem Unrecht angetan wird und der seinen Leidensweg ebenfalls geduldig geht. Sein Weg endet sogar tödlich. Auch er hat am Ende den Eindruck von Gott verlassen zu sein. Aber er fragt nicht „wieso ich?“ Er bittet lediglich darum, dass er eventuell, wenn es sein könnte, verschont bleibt. Aber es solle nicht sein Wille, sondern der seines Vaters geschehen.

Bitten wir Gott nicht auch manchmal um Dinge und schließen mit „aber nicht mein Wille geschehe, sondern deiner“.

Und was ist, wenn dann meine Bitte nicht in Erfüllung geht? Hat mich Gott dann nicht gehört? Oder hat er einfach tatsächlich seinen Willen durchgesetzt?

Warum fällt es uns Menschen so schwer, Gott zu vertrauen und ihm in allem zu wissen, egal was Sache ist?

Seit Golgatha weiß Gott was Leiden ist und fühlt mit uns.

 

Hiob vertraut Gott in der größten Not und in der größten Gottverlassenheit. Er scheint zu wissen, dass es einfach nichts besseres gibt, als auf Gott geworfen zu sein, ihm blind zu vertrauen und die Hoffnung niemals aufzugeben, dass er antworten und sich zeigen wird.

Und sein Vertrauen hat sich bezahlt gemacht!

Haben wir nicht auch schon erleben dürfen, dass wir eben nicht an Katastrophen zerbrochen sind, sondern Widerstandskraft entwickeln konnten, die wir bei uns nie vermutet hätten?

Dietrich Bonhoeffer fasst das so zusammen:

„Ich glaube, dass Gott aus allem, auch aus dem Bösesten, Gutes entstehen lassen kann und will. Dafür braucht er Menschen, die sich alle Dinge zum Besten dienen lassen. Ich glaube, dass Gott uns in jeder Notlage soviel Widerstandskraft geben will, wie wir brauchen. Aber er gibt sie nicht im voraus, damit wir uns nicht auf uns selbst, sondern allein auf ihn verlassen. In solchem Glauben müsste alle Angst vor der Zukunft überwunden sein. Ich glaube, dass Gott kein zeitloses Schicksal ist, sondern dass er auf aufrichtige Gebete und verantwortliche Taten wartet und antwortet.“

 

Na, dann wollen wir Gott mal nicht so lange warten lassen.

Ich möchte von Hiobs Gleichmut, seiner Beharrlichkeit, seiner Kühnheit und von seinem Gottvertrauen lernen, denn wenn wer so glauben kann, der kann auch mit Gott über Mauern springen!

Amen

 

Lied HW 211 „Ich bin bei dir“

  1. Ich bin bei dir, wenn die Sorge dich niederdrückt, wenn dein Leben dir sinnlos scheint, dann bin ich da. Ich bin bei dir, auch wenn du es nicht glauben kannst, auch wenn du es nicht fühlen kannst, ich bin dir nah. Refrain
  2. Hab keine Angst, wenn du nachts nicht mehr schlafen kannst, wenn du grübelst, was morgen wird, du hast doch mich. Hab keine Angst, auch wenn andre nicht zu dir stehn, wenn du meinst, dass du wertlos bist, ich liebe dich. Refrain

 

Refrain 1.+2. Und ich hab alles in der Hand, kenn dein Leben ganz genau, ich weiß um alles, was du brauchst, Tag für Tag. Hab keine Angst, ich liebe dich, Du kannst meinem Wort vertraun und du wirst sehen wie ich dich führe, Schritt für Schritt.

  1. O, welch ein Tag, wenn dein Leben sein Ziel erreicht, wenn wir uns gegenüber stehn und du bist hier. O, welch ein Tag, wenn die Trauer der Freude weicht, und dann war, was verwirrend schien, der Weg zu mir. Dann wirst du staunend mit mir sehn: Alles, Ende und Beginn, mir war nicht einer deiner Tage unbekannt. Und du wirst glauben und verstehn, alles hatte seinen Sinn, und du wirst sehn, ich halte alles in der Hand.

TEILEN – GOTT VERBINDET UNS MITEINANDER

Bekanntgaben + Zeit der Gemeinschaft (Mareike Bloedt)

Fürbittengebet und Vater unser (Judith Bader-Reissing)

 

WEITERGEHEN – GOTT SEGNET UNS

Lied GB 100, 1+2+3+5 „Von guten Mächten“

  1. Von guten Mächten treu und still umgeben, / behütet und getröstet wunderbar– / so will ich diese Tage mit euch leben / und mit euch gehen in ein neues Jahr.
  2. Noch will das Alte unsre Herzen quälen, / noch drückt uns böser Tage schwere Last. / Ach Herr, gib unsern aufgeschreckten Seelen / das Heil, für das du uns geschaffen hast.
  3. Und reichst du uns den schweren Kelch, den bittern / des Leids, gefüllt bis an den höchsten Rand, / so nehmen wir ihn dankbar ohne Zittern / aus deiner guten und geliebten Hand.
  4. Lass warm und hell die Kerzen heute flammen, / die du in unsre Dunkelheit gebracht, / führ, wenn es sein kann, wieder uns zusammen. / Wir wissen es, dein Licht scheint in der Nacht.

 

T: Dietrich Bonhoeffer 1944, M: Otto Abel 1959, S: Otto Abel; Oberstimme: Dietrich Schuberth 1989, Q: T: Chr. Kaiser/Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh / M+S: Verlag Merseburger, Kassel

 

*Sendung und Segen (Judith Bader-Reissing)

Der Herr segne dich und behüte dich.

Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.

Der Herr wende sein Angesicht auf dich und schenke dir Frieden.

 

Musik zum Ausgang

 

 

 

Gemeinde Lizenz:

CCLI 1928300

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