Lass dichinspirieren.

Mai 2026

„Denn was wir erkennen, sind nur Bruchstücke. Wenn aber das Vollkommene kommt, vergehen die Bruchstücke.“ (1. Korinther 13,9)

 

Beständig und ruhig klappern die Stricknadeln vor sich hin. Masche für Masche nimmt die Strickjacke langsam immer mehr an Form an. Erst vor wenigen Wochen habe ich mal wieder angefangen etwas zu stricken. Und das nach 15 Jahren ohne Stricken! Der Anfang war schwer: Wie war das nochmal? Rechte Masche. Linke Masche. Wie beginne ich eigentlich? Doch nach und nach erinnern sich mein Kopf und meine Hände wieder daran, wie es geht. Mit jeder Reihe, die ich stricke, geht es leichter. Aus vollkonzentrierten Arbeiten wird nach und nach wieder entspanntes Abschalten und nebenher werkeln… Vor allem abends sitze ich seitdem wieder gern auf dem Sofa und stricke. Während ich stricke, denke ich immer mal wieder auch über mein Leben nach. Mein aktuelles Strickprojekt hat so manche Parallele zu meinem Leben: In meinem Leben erkenne ich auch nicht sofort das Gesamtbild. Mal fällt eine Masche runter. Mal verrutsche ich in der Reihe. Muss wieder auftrennen und neu anfangen. Im Leben ist es genauso: Es läuft nicht immer alles geradlinig. Manchmal muss ich neu anfangen. Altes Vergessenes erst wieder neu entdecken und erinnern. Und mancher Neustart geht schwer von der Hand. Es dauert, bis ich wieder routiniert agieren kann. Und manchmal fällt es mir auch schwer dranzubleiben. Da frustet mich mein Alltag. Die Arbeit. Der Zeitdruck. Da frage ich mich, wofür das alles eigentlich gut ist. Wie diese Bruchstücke einmal zusammengefügt werden... Doch ich bin nicht die erste, der es so ergeht. In der Bibel fragt sich ein Mann namens Paulus ganz Ähnliches. Im Brief an die Gemeinde in Korinth schreibt er: „Denn was wir erkennen, sind nur Bruchstücke. (…) Wenn aber das Vollkommene kommt, vergehen die Bruchstücke. (…) Jetzt sehen wir nur ein rätselhaftes Spiegelbild. Aber dann sehen wir von Angesicht zu Angesicht.“ (1. Kor 13,9+10) Paulus verwendet zwar ein anderes Bild als ich, aber es geht ihm um die gleiche Sache. Es geht darum die einzelnen Bruchstücke oder eben die einzelnen Maschen zusammenzufügen – bis ein Kunstwerk entsteht. Der Künstler dieses größten Werkes ist Gott. Er hat uns Menschen geschaffen. Jede und jeden. Und ich glaube: Gott fügt alles zusammen. Voller Liebe verwandelt er, wo ich gescheitert oder falsch abgebogen bin. Verwebt es mit den schönen und guten Momenten und schafft so ein vollkommenes Bild. Ein Kunstwerk, das mich dann einfach nur staunen lässt. In diesem Sinne wünsche ich viel Freude beim Staunen und Gottes Segen!

Ihre/Eure Pastorin Mareike Nix